Entscheidung für Lugano innerhalb von 144 Sekunden

Der HC Lugano nähert sich dem zweiten Playoff-Final innerhalb von zwei Jahren an. Die Tessiner führen in der Halbfinalserie gegen den EHC Biel nach dem 4:2-Auswärtssieg mit 3:2 Siegen.

Die Vorentscheidung fiel im zweiten Abschnitt innerhalb von 144 Sekunden. Maxim Lapierre und Matteo Romanenghi brachten Lugano innerhalb von 44 Sekunden 2:0 in Führung. 100 Sekunden später erhöhte Gregory Hofmann in Überzahl auf 3:0. Biels Goalie Elien Paupe liess drei Schüsse hintereinander passieren. Schon am Ostermontag hatte Paupe vom 1:2 bis zum 1:5 nur einen Schuss halten können.

Elien Paupe! Der 22-jährige Jurassier droht aus Seeländer Optik zur tragischen Figur der Serie zu werden. Paupe wurde am Ostermontag nach 40 Minuten beim Stand von 1:2 eingewechselt, weil Jonas Hiller nach einem «Kopfschuss» (von Gregory Hofmann sechs Minuten vorher) nicht mehr weiterspielen konnte.

Der EHC Biel betrieb am Donnerstag um Hillers Gesundheitszustand Geheimniskrämerei bis zur letztmöglichen Sekunde. Aber am Ende war klar: Hiller kann nicht spielen. Im Verlauf des Tages sei das entschieden worden, klärte Biels Torhütertrainer Marco Streit auf: «Es wäre wohl zu riskant gewesen.»

Auch ohne Hiller glaubte Biel lange an den Sieg. Dreimal mussten sie diese Saison in Heimspielen ohne Jonas Hiller auskommen, dreimal gewannen die Seeländer: 3:1 gegen Langnau, 7:3 gegen Servette (beide Male mit Paupe im Tor), 5:3 im Cup gegen Bern (mit Simon Rytz).

Gut 30 Minuten lang drückte Biel der Partie den Stempel auf. Marc-Antoine Pouliot, Mathieu Tschantré (beide 16.) und Julian Schmutz solo (29.) besassen die besten Möglichkeiten. Elvis Merzlikins (28 Paraden) entschied das Torhüterduell gegen Paupe (23 Paraden) aber zu seinen Gunsten.

Luganos Tor-Triplette schlug nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel in die Bieler Arena ein. Sébastien Reuille verpasste schon unmittelbar vorher das 1:0 nur knapp. Die Luganesi bekamen die Partie im zweiten Abschnitt immer besser in den Griff. Biel stürmte zwar, Lugano erspielte sich aber die gefährlicheren Möglichkeiten.

Zum Matchwinner avancierte Gregory Hofmann – und nicht, weil er am Montag mit seinem Scharfschuss Hiller zumindest temporär aus der Serie genommen hatte. Nach 33 Minuten luchste Hofmann den Bielern in der Offensive den Puck ab, einen Steilpass später lief Maxim Lapierre alleine auf Paupe los (1:0). Und das siegsichernde 3:0 erzielte Hofmann selber.

Die Sturmlinie mit Hofmann, Jani Lajunen und Maxim Lapierre ist statistisch mit Abstand die beste Formation in den Playoffs. Bezeichnenderweise gewann Biel in der Halbfinalserie nur jene zwei Partien, in denen Lajunen verletzt gefehlt hatte.

Biels Aufbäumen kam in Spiel 5 zu spät: Erst im Schlussabschnitt trafen die Bieler ins Tor, erst 128 Sekunden vor Schluss verkürzte Jacob Micflikier in doppelter Überzahl auf 2:3. Danach kamen die Seeländer sogar noch zur Ausgleichschance, ehe Raffaele Sannitz 31,5 Sekunden mit einem Schuss ins leere Tor alles klar machte.

Telegramm:

Biel – Lugano 2:4 (0:0, 0:3, 2:1)

6521 Zuschauer. – SR Stricker/Urban, Progin/Wüst. – Tore: 34. (33:22) Lapierre (Johnston, Hofmann) 0:1. 35. (34:06) Romanenghi (Wellinger, Fazzini) 0:2. 36. Hofmann (Fazzini, Walker/Ausschluss Pouliot) 0:3. 48. Rajala (Micflikier, Pouliot) 1:3. 58. Micflikier (Forster, Pouliot/Ausschlüsse Fazzini, Furrer) 2:3. 60. (59:29) Sannitz 2:4 (ins leere Tor). – Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Biel, 3mal 2 Minuten gegen Lugano. – PostFinance-Topskorer: Lapierre.

Biel: Paupe; Jecker, Forster; Dufner, Kreis; Maurer, Steiner; Hächler; Pedretti, Pouliot, Rajala; Micflikier, Fuchs, Earl; Neuenschwander, Diem, Lüthi; Schmutz, Sutter, Wetzel; Tschantré.

Lugano: Merzlikins; Sanguinetti, Vauclair; Johnston, Furrer; Ulmer, Wellinger; Riva; Lapierre, Lajunen, Hofmann; Walker, Sannitz, Reuille; Fazzini, Cunti, Romanenghi; Sorin, Morini, Bertaggia; Vedova.

Bemerkungen: Biel ohne Hiller, Fey (beide verletzt) und Lofquist, Lugano ohne Klasen, Etem (alle überzählige Ausländer), Brunner, Bürgler, Chiesa (alle verletzt).