Freigelassener Journalist Sik kritisiert «Mafia-Sultanat» in Türkei

Der prominente türkische Investigativjournalist Ahmet Sik hat kurz nach seiner überraschenden Freilassung aus der Untersuchungshaft Kritik an der Regierung in Ankara geübt. «Ich garantiere, dass dieses Mafia-Sultanat enden wird», sagte Sik am Samstag.

Seine Aussage machte er in einem Video, das seine Zeitung «Cumhuriyet» ins Internet stellte. Der regierungskritische Journalist hatte mehr als 400 Tage in Untersuchungshaft gesessen. Auch Chefredaktor Murat Sabuncu kam nach mehr als einem Jahr im Gefängnis frei, «Cumhuriyet»-Herausgeber Akin Atalay muss indes in Untersuchungshaft bleiben.

Gegen Sik und Sabuncu verfügte das Gericht am Hochsicherheitsgefängnis Silivri bei Istanbul am Freitagabend allerdings eine Ausreisesperre. Aus dem Gerichtsbeschluss geht ausserdem hervor, dass sie sich jeden Sonntag bei der Polizei melden müssen.

Gegen Sik und 17 andere «Cumhuriyet»-Mitarbeiter läuft derzeit ein Prozess wegen des Verdachts der Unterstützung verschiedener Terrororganisationen. Das Verfahren wird international als politisch motiviert kritisiert, es soll am 16. März fortgesetzt werden. Nach Angaben der Hilfsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) drohen den Angeklagten bis zu 43 Jahre Haft.

Sik gilt als Experte für die Bewegung des in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen, eines einstigen Weggefährten von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Er hatte ein kritisches Buch über die Gülen-Bewegung veröffentlicht, für das er 2011 ein Jahr ins Gefängnis musste.

Die türkische Regierung sieht in Gülen den Drahtzieher des Putschversuches vom 15. Juli 2016, Zehntausende mutmassliche Gülen-Anhänger wurden seitdem festgenommen oder aus dem Staatsdienst entlassen.