Sepp Blatters neue Hoffnung – und grosse Enttäuschung

Der frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter hofft auf eine Wende im Fall seiner sechsjährigen Sperre.

Dass sich bei den Untersuchungen der Bundesanwaltschaft gegen ihn wegen ungetreuer Geschäftsführung seit zweieinhalb Jahren nichts tut, wertet er als gutes Zeichen.

Zwei Tage vor seinem 82. Geburtstag hat Sepp Blatter im Zürcher Restaurant Sonnenberg, nur wenige Schritte entfernt von seinem Zürcher Wohnsitz, zu einer Gesprächsrunde im kleinen Kreis mit internationalen Nachrichten-Agenturen eingeladen.

Die (Frühlings-)Sonne scheint über Zürich, es wird wärmer und Sepp Blatter sagt: «Ich bin ein glücklicher Mann.» Er habe ein paar gesundheitliche Probleme gehabt, doch die seien überstanden. «Der Motor war immer in gutem Zustand. Jetzt stimmt es auch mit der Karosserie wieder.»

Dass es ihm gut geht, hat auch mit der (wieder grösseren?) Hoffnung zu tun, dass er in der Welt des Sports bald rehabilitiert sein könnte. Die Untersuchung der Bundesanwaltschaft gegen ihn wegen ungetreuer Geschäftsführung und Veruntreuung scheint auf Eis gelegt. «Der Fall ist noch offen, aber es bewegt sich seit zweieinhalb Jahren nichts.»

Blatter beteuerte zum wiederholten Mal, dass er nichts strafrechtlich Relevantes falsch gemacht habe. Und wie geht es weiter? «Wenn die Schweizer Behörden nicht weiterkommen, müsste auch die FIFA-Ethikkommission über meinen Fall neu urteilen.» Es ist klar: Blatter wird weiter um die Aufhebung seiner noch bis 2021 laufenden Suspendierung kämpfen.

Enttäuscht von Gianni Infantino

Das hat auch ganz profane persönliche Gründe. Seit er das FIFA-Gebäude im September 2015 von einer Stunde auf die andere hatte verlassen müssen, lagern seine persönlichen Sachen noch in seinem früheren Büro. «Urkunden, Briefe, Uhren, Geschenke und so weiter: Alles ist noch dort, weil ich jahrelang nur eine kleine Wohnung hatte in Zürich. Mein Familienleben fand im Haus der FIFA statt.»

In diesem Zusammenhang sprach Blatter auch von der Enttäuschung über seinen Nachfolger als FIFA-Präsident, seinen Walliser Landsmann Gianni Infantino. Dieser habe ihm nach der Wahl im Februar 2016 gesagt: «Sepp, schreibe alles auf und ich sorge nach dem Kongress (Mai 2016 – Red.) dafür, dass du die Sachen wieder bekommst.» Nun wartet Blatter seit zwei Jahren auf ein Zeichen von Infantino. «Von ihm hörte ich nichts mehr. Ich hatte nur noch Kontakt mit seinen Anwälten.»