Selbst die Kantonalbank findet nicht mehr genügend Lernende

Kantonalbank-CEO Peter Hilfiker: «Viele Eltern betrachten eine Ausbildung via Lehre als minderwertig.»  Bild Archiv

 

Das war während 127 Jahren eine sichere Sache: eine Lehre bei der Schwyzer Kantonalbank. Entsprechend begehrt waren diese Ausbildungsplätze. Wer eine Banklehre absolvierte, der hatte meist eine Karriere im Finanzwesen auf sicher. Und nicht selten hielten Banklehrlinge später ihrem Lehrbetrieb bis zum Ende der beruflichen Tätigkeit die Treue. Diese Zeiten sind vorbei. In der jüngsten Ausgabe der H+I-Auslese, des Magazins des Handels- und Industrievereins des Kantons Schwyz, stellt Peter Hilfiker, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Schwyzer Kantonalbank, die Frage: «Gehen uns bald die Lernenden aus?»

Verstärkte Anstrengungen

Diese Frage stellt sich vor dem Hintergrund, dass es «zum ersten Mal in der 127-jährigen Geschichte der Schwyzer Kantonalbank der Bank nicht gelungen ist, alle neun Lehrstellen mit geeigneten Lernenden zu besetzen», so Hilfiker. Bereits in den letzten fünf Jahren habe die Bank «spürbar verstärkte Anstrengungen unternehmen müssen, um qualifizierte Lernende zu finden», was aber schliesslich immer gelungen sei. So bietet die SZKB eine halbtägige Informationsveranstaltung an. Zudem können interessierte Schülerinnen und Schüler während einer zweitägigen Schnupperlehre verschiedene Abteilungen und Ausbildner sowie Lernende kennenlernen und selber mit anpacken. «Allerdings bietet die SZKB Schnupperlehren nur an definierten Daten an, und für eine Teil-nahme muss man sich bewerben», so, SZKB-Mediensprecher Peter Geisser.

Skandale wirken sich negativ aus

Von den neun zu besetzenden Stellen konnte im letzten Jahr ein Ausbildungsplatz nicht mit einer geeigneten Person besetzt werden. Wie prüft die Schwyzer Staatsbank die Eignung? Mediensprecher Geisser erklärt: «Wir achten auf gute Schulnoten in den für die Banklehre wichtigen Fächern. Ebenso wichtig sind aber auch gute Verhaltens-beurteilungen und möglichst keine unentschuldigten Absenzen. Stimmig sollten auch die Eindrücke sein, die der Eignungstest Multicheck Junior und der Stellwerktest vermitteln.» Die SZKB mache sich ein Gesamtbild von der Bewerberin oder dem Bewerber. «Sie müssen zur SZKB passen, genauso wie die SZKB zu ihnen», so Geisser weiter.

Die Ursachen für den Mangel an qualifizierten Lernenden ist laut CEO Hilfiker vielfältig: «Grundsätzlich spielt uns die Demografie nicht in die Hände. Tendenziell stehen allen Branchen weniger junge Leute als potenzielle Lernende zur Verfügung.» Spürbar sei aber auch, «dass das Image unserer Branche durch die vielen Bankenskandale negativ tangiert» wird und eine Lehre auch bei der SZKB nicht mehr so attraktiv mache, wie noch vor ein paar Jahren. «Dieses Phänomen trifft uns, obwohl wir uns als Schwyzer Kantonalbank – im Gegensatz zu den grossen, international tätigen Banken – aus allen Skandalen heraushalten konnten», so der SZKB-CEO weiter.

Akademisierung mit ein Problem

Die «gravierendste» Entwicklung stellt laut Peter Hilfiker die «immer grösser werdende Akademisierung der Berufswelt» dar. «Viele Eltern betrachten -eine Ausbildung via Lehre als minderwertig und setzen alles daran, ihre Zöglinge ein Gymnasium oder eine ähnliche Bildungseinrichtung absolvieren zu lassen. Dabei legt man sich wenig Rechenschaft darüber ab, ob die junge Frau oder der junge Mann für diesen Weg tatsächlich die notwendigen Voraussetzungen mitbringen», so der oberste Kantonalbänkler weiter.

Als Massnahme schlägt Hilfiker vor, Familien und junge Menschen, die vor der Berufswahl stehen, viel besser über das duale Berufsbildungssystem zu informieren. «Dabei sollten wir uns nicht scheuen, eine Berufslehre als gleichwertige oder bessere Alternative zu -einer gymnasialen Ausbildung darzustellen.» Schliesslich gelte es, an konkreten Beispielen aufzuzeigen, dass mit einem Berufseinstieg via Berufslehre Spitzenpositionen in der Wirtschaft erfolgreich erreicht werden können.