Christmessen mit Fokus auf Migration und Nahostkrise

Überschattet von der Flüchtlingskrise und der von den USA aufgebrachten Thematik um den Status von Jerusalem haben Christen aus aller Welt an Heiligabend in Rom und Bethlehem begangen.

Bei seiner traditionellen Christmesse im Petersdom erinnerte Papst Franziskus an das Leid der Flüchtlinge. In Bethlehem kritisierte der Leiter des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, die einseitige Entscheidung der USA, Jerusalem als Hauptstadt von Israel anzuerkennen.

In seiner Predigt im Petersdom rief Papst Franziskus am Sonntagabend zu «Nächstenliebe» und «Gastfreundschaft» auf. So wie einst Maria und Josef seien heute Millionen Menschen zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen, «weil sie aus ihrem Land vertrieben werden», sagte der argentinische Pontifex. Niemand aber dürfe das Gefühl haben, «in dieser Welt keinen Platz zu haben», sagte er weiter und sprach sich für eine neue «Auffassung des Sozialen» aus.

Eindringliche Mahnung

In Bethlehem wich Erzbischof Pizzaballa von seiner vorbereiteten Rede ab, um auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump einzugehen, die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. «Jerusalem ist eine Stadt des Friedens. Doch kann es keinen Frieden geben, wenn einer ausgeschlossen ist», mahnte Pizzaballa.

«Jerusalem ist unsere Mutter» fügte er hinzu, doch wenn die Mutter eines seiner Kinder verliere, könne sie «keinen Frieden finden – also beten wir für Jerusalem». An dem Gottesdienst nahm auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, ein Muslim, teil. Starker Regen und kalter Wind verstärkten unterdessen die gedrückte Stimmung auf dem Platz vor der Geburtskirche.

In Syrien und dem Irak dagegen feierte die christliche Minderheit das erste Weihnachten nach der Vertreibung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). In der zweitgrössten irakischen Stadt Mossul versammelten sich Dutzende Menschen in der St. Paulskirche, wo die Messe mit der irakischen Nationalhymne eröffnet wurde. Patriarch Louis Raphael Sako forderte die Gläubigen auf, für «Frieden und Stabilität in Mossul, dem Irak und der Welt» zu beten.

Feiern in Trümmern

Mossul stand drei Jahre lang unter der Kontrolle des IS, erst im Juli gelang es der irakischen Armee mit internationaler Unterstützung, die Grossstadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Besonders der Westen der Stadt liegt noch immer in Trümmern.

Auch im syrischen Homs feierten Christen erstmals seit der Rückeroberung der Stadt durch Regierungstruppen wieder Weihnachten. In der ehemaligen IS-Hochburg Raka dagegen warteten zwei komplett von Minen geräumte Kirchen weiterhin auf die Rückkehr ihrer vertriebenen Gläubigen.