Nach Korruptionsvorwürfen: IOC suspendiert Frankie Fredericks

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) suspendiert den früheren Top-Sprinter Frankie Fredericks wegen einer möglichen Verwicklung in einen Stimmenkauf um die Vergabe der Olympischen Spiele 2016.

Dieser Schritt erfolgte, weil Frankreichs Justiz ein Verfahren gegen den gebürtigen Namibier eingeleitet hat. Es gehe dabei um den Verdacht der «passiven Korruption» und der «Verschleierung von Korruption», wie die französische Nachrichtenagentur AFP am vergangenen Freitag unter Berufung auf Justizkreise berichtet hatte.

Dem Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees wird wird wohl vorgeworfen, dass seine Firma Yemi Limited Zahlungen von Papa Massata Diack, dem Sohn des ehemaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack, erhalten haben soll. Die Zahlung in der Höhe von 300’000 Dollar sei kurz vor der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 nach Rio de Janeiro erfolgt.

Der bereits vom Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) seit Mitte Juli provisorisch suspendierte Fredericks hatte hingegen erklärt, dass das Geld ordnungsgemässe Zahlungen für erbrachte Leistungen gewesen seien, die in keiner Verbindung zum Abstimmungsverfahren für die Vergabe der Spiele in Rio gestanden hätten.

Karriere als Sportfunktionär

Der 49-jährige Fredericks, der 1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta über 100 und 200 m Silber gewonnen hatte und 1993 in Stuttgart zu WM-Gold über 200 m lief, machte auch als Funktionär Karriere. Während den Olympischen Spiele 2004 in Athen wurde er ins IOC gewählt und vertritt seither Namibia im Internationalen Olympischen Komitee.

Im August 2008 trat er die Nachfolge Sergej Bubkas als Vorsitzender der Athletenkommission des IOC an und war damit Mitglied des IOC-Exekutivkomitees. Im Juni 2009 übernahm er das Präsidentenamt bei Athletics Namibia, dem Leichtathletikverband Namibias, zwei Jahre später war er Vorsitzender der Athletenkommission der IAAF.

Anfang März 2017 wurde bekannt, dass Fredericks am Tag der Vergabe der Olympischen Spiele an Rio de Janeiro eine Überweisung erhalten hatte. Fredericks kontaktierte daraufhin die Ethikkommission des IOC. Das Gremium sah sich ausserstande, die Beschuldigungen zu beurteilen und verwies auf die Unschuldsvermutung, empfahl jedoch, Fredericks von verschiedenen Posten zu suspendieren, unter anderem vom Vorsitz der IOC-Prüfkommission für die Spiele 2024. Das IOC begründete nun den Entscheid seiner Exekutive mit «der Schwere und Dringlichkeit der Situation und der Wirkung auf das Ansehen des IOC».