«Sturzflutereignisse sind nicht rein zufällig verteilt»

«Land unter» nach dem Starkregen vom 26. Juli 2016: Obwohl die Liegenschaft am Verenaweg 16 in Wollerau in der Hochwasser-Gefahrenzone «gelb» (geringe Gefährdung) liegt, war das Ausmass der Verwüstung erheblich. Bild Archiv

Sintflutartige Regengüsse können bei entsprechender Wetterlage jederzeit und überall auftreten. In Natur-gefahrenkarten ist der Oberflächenabfluss aber nicht dargestellt. Obwohl dieser laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) für 50 Prozent der Überflutungsschäden verantwortlich ist. Schadenstatistiken der Versicherungen bestätigen diesen Befund.

«Es braucht dringend Angaben darüber, wo sich Sturzfluten oder Über-
schwemmungen durch Oberflächenwasser bilden können», sagt Albrecht Bereuter, Leiter Strategie bei Zurich Schweiz. Die Gefährdung durch Sturzflutereignisse sei nicht rein zufällig verteilt, sondern dank neuen Technologien und Erkenntnissen räumlich darstellbar. Gemeinsam mit dem Schweizerischen Versicherungsverband und dem Interkantonalen Rückversicherungs-verband will das Bafu diese Lücke in den Gefahren-karten deshalb schliessen.

Die Öffentlichkeit informieren
Laut Daniel Bollinger, Leiter Fachbereich Naturgefahren im Schwyzer Amt für Wald und Naturgefahren, will man diese neuen Erkenntnisse der Öffentlichkeit zugänglich machen, sobald der Bund die Grundlagen dazu geliefert hat. Er bestätigt denn auch, dass die grossen Risiken keineswegs in den roten Gefahrenbereichen liegen müssen. Gerade im Kanton Schwyz gebe es Siedlungsgebiete, die in der Gefahrenkarte als ungefährdet bezeichnet sind, von Oberflächenwasser aber trotzdem stark betroffen sein könnten.

Laut Zurich sind bauliche Massnahmen gegen Überschwemmungen oft günstiger als vermutet. Bei Neubau-projekten rechnet die Versicherung mit «meist weniger als 1 Prozent der gesamten Baukosten». Auch bei bestehenden Gebäuden lasse sich mit kleinen Massnahmen eine grosse Schutzwirkung erzielen.