Vermutlich viele Tote bei Anschlag mit Fahrzeug in Barcelona

Bei einem Terroranschlag mit einem Lieferwagen sind in Barcelona wahrscheinlich zahlreiche Personen getötet worden. Unbestätigte Medienberichte sprachen von mindestens zwölf Toten.

Unter anderem die Zeitungen «El Mundo» und «La Vanguardia» bezifferten die Zahl der Toten auf zwölf. Der Radiosender Cadena SER meldete unter Berufung auf Informationen der Polizei, es seien 13 Personen getötet worden, als ein Lieferwagen auf dem beliebten Boulevard Las Ramblas im Zentrum der Stadt in die Menge gerast war.

Der mutmassliche Fahrer des Lieferwagens soll sich in einem Restaurant in der Nähe des Tatortes in Barcelonas Stadtzentrum verschanzt haben, schrieb die spanische Zeitung «La Vanguardia». Er sei bewaffnet und befinde sich in dem Lokal «Luna de Istanbul» nahe der Flaniermeile Las Ramblas.

Die Sicherheitskräfte haben einen grossen Teil der Innenstadt abgesperrt. Ein Aufgebot an Antiterrorkräften sei im Einsatz, um ihn festzunehmen.

Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen aber von einem Einzeltäter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Der weisse Lieferwagen sei ungebremst mit etwa 80 Kilometern pro Stunde in die Menge gerast.

Bestürzung

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg reagierte bestürzt auf den Terroranschlag in Barcelona. «Ich verurteile den furchtbaren Angriff in Barcelona. Meine Gedanken sind bei allen Betroffenen. Wir stehen vereint im Kampf gegen den Terrorismus», erklärte Stoltenberg am Donnerstagabend über den Kurznachrichtendienst Twitter.

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani schrieb auf Twitter: «Meine Solidarität mit den Opfern des terroristischen Anschlags von Barcelona. Volle Unterstützung für die Behörden.» Die gesamte EU sei vereint in der Verteidigung des Friedens.

Historische Gründe

Der Prachtboulevard Las Ramblas zählt zu den geschäftigsten Strassen in der katalanischen Metropole. In der Regel wird Las Ramblas bis spät in die Nacht von Einheimischen und Touristen besucht, viele Strassenkünstler treten dort auf.

Spanien wurde bislang von extremistischer Gewalt weitgehend verschont, wie sie jüngst in Frankreich, Belgien, Grossbritannien und Deutschland verübt wurde. Allerdings gab es 2004 in Madrid den europaweit bislang folgenschwersten Terroranschlag. Im März 2004 wurden 191 Menschen getötet, als in Pendlerzügen in der spanischen Hauptstadt Bomben explodierten. Zu der Tat bekannten sich Anhänger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Spanien ist das drittgrösste Touristenziel weltweit. Die spanischen Behörden halten sich hinsichtlich der Bedrohung durch den Terrorismus weitgehend bedeckt. Die Terrorwarnstufe wurde 2015 allerdings auf Stufe vier von fünf erhöht.

Überdies geben die Behörden regelmässig Festnahmen mutmasslicher Dschihadisten bekannt. Laut spanischem Innenministerium wurden seit Juni 2015 mehr als 180 «dschihadistische Terroristen» festgenommen.

Spanien wird von Dschihadisten jüngst zunehmend als mögliches Ziel genannt. Auf extremistischen Websites werden historische Gründe dafür angeführt. Sie verweisen auf die frühere muslimische Herrschaft über weite Teile des heutigen Spaniens.