Tessiner Fährleute demonstrieren nun auch in Bellinzona

Die 34 per Ende des Jahres entlassenen Fährleute auf dem Lago Maggiore haben ihren Streik nun auch nach Bellinzona getragen. Am Dienstag zogen sie in einem Protestzug vom Bahnhof zum Regierungsgebäude. Dort reichten sie eine Solidaritäts-Petition ein.

An dem Streik mitten durch die Tessiner Kantonshauptstadt hätten «250 bis 300 Personen» teilgenommen, wie die Gewerkschaft OCST auf Anfrage mitteilte.

Nach dem Protestzug reichten die Fährleute eine Petition zur «Rettung der Beschäftigung und des Service Public auf dem Lago Maggiore» bei der Tessiner Staatskanzlei ein. Anwesend war beim Prozedere, das von den Fährleuten mit Beifall begleitet wurde, auch der Tessiner Regierungspräsident Manuele Bertoli.

Die Petition wurde laut Angaben der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV von 13’451 Personen unterzeichnet.

Die 34 entlassenen Fährleute für das Schweizer Becken des Lago Maggiore befinden sich mittlerweile seit 17 Tagen im Streik. Die Entlassungen betreffen 14 Festangestellte und 20 während der Saison engagierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Vor einer Woche kämpften sie bereits mit einer Demonstration in Locarno für die Beibehaltung ihrer Stellen bei gleichem Lohnniveau.

Beschäftigungsgarantie nur bis Ende 2017

Ein Treffen von Gewerkschaftsvertretern mit der Tessiner Regierung war in der vergangenen Woche ohne Ergebnis geblieben – diese kann allerdings nur eine vermittelnde Rolle einnehmen, da der Fährbetrieb auf dem Lago Maggiore gemäss einer Konzession zwischen der Schweiz und Italien durch die italienische Gesellschaft NLM organisiert wird.

Ende Dezember 2016 hatten die Schweiz und Italien die Konzessionen für die beiden Schifffahrtsunternehmen auf dem Lago Maggiore und Lago di Lugano für die nächsten zehn Jahre erneuert.

In diesem Zusammenhang wurde zwar garantiert, dass beim bisherigen Fahrplanangebot und Personal keine Änderungen vorgenommen werden – allerdings nur bis Ende Dezember 2017. Als Grund für die Entlassungen wurde von verschiedenen Seiten die Verluste genannt, welche der Fährbetrieb im Schweizer Becken einfahre.

Laut Angaben der NLM (Lago Maggiore) soll zusammen mit der SNL (Lago di Lugano) nun ein Konsortium gegründet werden, welches ab der kommenden Frühjahrssaison den Betrieb organisieren soll. In diesem Konsortium sollen dann auch die entlassenen Fährangestellten eine «Perspektive» finden, wie es vom Bundesamt für Verkehr (BAV) auf Anfrage hiess. Der Tessiner Staatsrat bekräftigte am Dienstag erneut, dass Hilfen gezahlt werden könnten, sofern damit der Regionalverkehr auf dem Schweizer Seebecken gestützt werde.

Schweizer streiken, Italiener «büezen»

Der Streik in der Hochsaison trifft den Tessiner Tourismusstandort empfindlich, da im Schweizer Becken des Lago Maggiore keine Fährverbindungen angeboten werden können.

Zumindest zu den Brissago-Inseln verkehren laut der Fährgesellschaft NLM aber wieder stündlich Schiffe, wie sie auf ihrer Homepage mitteilte. Dieses Angebot erfolge mit italienischem Personal und gelte solange bis der Streik beendet sei. Die internationalen Verbindungen zwischen der Schweiz und Italien sind ohnehin nicht von dem Streik betroffen.

Im Tessin wurden die streikenden Fährleute auch zum politischen Spielball: Während von links Solidaritätsbekundungen kamen, geisselte Lega-Staatsrat Norman Gobbi das Verhalten der Streikenden in seinem Blog als «unschweizerisch».

Der Tessiner FDP-Präsident Bixio Caprara forderte zwar «Respekt und Solidarität» für die Streikenden, rief sie aber zugleich dazu auf, an den Arbeitsplatz zurückzukehren, um ihre Position in den anstehenden Verhandlungen nicht zu schwächen. Er erinnerte zugleich daran, dass die NLM bislang auf der Schweizer Seite des Lago Maggiore Verluste in der Grössenordnung von einer halben Millionen Franken jährlich schultern müsse.