Basel gegen Sion: Cupfinal der Superlative und Gegensätze

Es ist der Cupfinal der Superlative: Der Serienmeister FC Basel fordert heute den in Endspielen bislang unbesiegten FC Sion heraus. Die beiden Finalisten könnten unterschiedlicher fast nicht sein.

Die Cupfinal-Affiche FC Basel gegen FC Sion ist das Beste, das dem Schweizer Klubfussball geschehen konnte zum Ende einer schwierigen Saison mit enttäuschenden Resultaten im Europacup, rückläufigen Zuschauerzahlen und früh gefallenen Entscheidungen. Denn keine Vereine bewegen hierzulande mehr die Massen als die beiden Cupfinalisten.

Hier der Serienmeister aus Basel mit seiner grossen Fan-Basis, die sich über fast die gesamte Deutschschweiz erstreckt. Dort die Walliser als einzige Vertreter der Romandie in der höchsten Liga, mit ihrer Leidenschaft für den Fussball und mit ihrem schillernden Präsidenten Christian Constantin, der stets an der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn wandelt, der fast täglich Schlagzeilen über die Kantonsgrenzen hinaus produziert und bei der Anhängerschaft Hoffnung schürt und gleichermassen Verärgerung verursacht.

Weit- und Kurzsicht

In gewissem Sinne prallen im Stade de Genève Welten aufeinander. Da ist zum einen die (abtretende) Basler Vereinsführung um Präsident Bernhard Heusler und Sportchef Georg Heitz, die seit Jahren mit Weitsicht und Rationalität die Stellung des FC Basel als Primus zementiert. Da ist zum anderen der FC Sion mit Constantin, der in wichtigen Personalentscheiden von Tag zu Tag lebt und den Klub mit Kurzsicht und Emotionalität durch die Jahre führt.

Auch in der sportlichen Philosophie divergieren der FCB und Sion stark. Die Basis des Basler Start-Ziel-Sieges in der Meisterschaft war das starke Kollektiv. Es sorgte für Konstanz und Solidität. Begeistert hat die Mannschaft von Trainer Urs Fischer nicht allzu oft. Sie lebte von der Kraft und der Ausdauer und entschied nicht wenige Partien erst in der Schlussphase.

Der FC Sion dagegen lebte von der individuellen Klasse einiger weniger. Im Kader stehen Spieler wie Veroljub Salatic, Carlitos oder Moussa Konaté, die über Qualitäten verfügen, wie man sie im Basler Team vergeblich sucht. Allerdings rufen sie ihr Potenzial nur selten ab, weshalb Sion in dieser Saison Leistungen ablieferte, die entweder sehr hohe Ansprüche an Niveau und Spektakel befriedigten oder die den Zuschauer perplex zurückliessen.

Verschiedene Perspektiven

Verschieden sind auch die Perspektiven der beiden Trainer, die beide schon als Spieler den Cup gewannen, Urs Fischer einmal mit dem FC Zürich (2000), Sébastien Fournier drei Mal mit Sion (1991, 1995, 1996). Der Final markiert für Fischer ein Ende; er muss den FCB verlassen und möchte dies als Cupsieger tun. Es wäre nach zuletzt drei verlorenen Finals der Basler eine Art Krönung seiner trotz allem sehr erfolgreichen Zeit in Rot-Blau.

Für Fournier dagegen könnte der Final der Start sein zu einer noch nicht richtig lancierten Trainerkarriere. Vor knapp einem Monat wurde er von Constantin als interimistischer Nachfolger für den freigestellten Peter Zeidler ins Amt gehievt. Kehrt er am Donnerstagabend als Cupsieger ins Wallis zurück, wird die Vox populi auf der «Place de la Planta» im Zentrum von Sitten den Einheimischen Fournier als Trainer der Zukunft fordern.

Statistik spricht für Basel, aber…

Blickt man allein auf den Saisonverlauf und die letzten Spiele zwischen Basel und Sion, geht der FCB als ganz grosser Favorit in den Cupfinal. Der Meister gewann drei Mal, das einzige Unentschieden resultierte letzte Woche für Sion auf glückhafte Weise durch ein Tor in der 96. Minute. Seit dem Aufstieg der Walliser vor elf Jahren verlor Basel in der Super League nur vier von 44 Spielen. Aber eben: Vor zwei Jahren deklassierte Sion den FCB im Cupfinal 3:0 und setzten sich die Walliser sechs Monate später im Cup-Viertelfinal ebenfalls durch.

Im Verlaufe dieser Spielzeit hat sich Sion bislang einen Rückstand von 31 Punkten auf den FC Basel eingehandelt. Doch wann gilt die Plattitüde, wonach der Cup eigene Gesetze habe, mehr als bei einer Sittener Final-Beteiligung? Vor zwei Jahren trennten Basler und Walliser zum Saisonende in der Super League sechs Ränge und 33 Punkte. Doch im Cupfinal war der FCB völlig chancenlos und verlor 0:3.

Die möglichen Aufstellungen:

Basel – Sion. – Stade de Genève, Genf. – Donnerstag, 25. Mai, 16.00 Uhr. – SR Klossner.

Basel: Vaclik; Lang, Suchy, Akanji, Traoré; Serey Die, Xhaka; Elyounoussi, Delgado, Steffen; Doumbia.

Sion: Mitrjuschkin; Lüchinger, Zverotic, Ziegler, Pa Modou; Karlen, Salatic, Constant; Akolo, Konaté, Bia (Carlitos).

Bemerkungen: Basel ohne Bua (verletzt), Sion ohne Mveng (verletzt). Fraglich: Carlitos.