Nach Anschlag drei weitere Festnahmen in Manchester

Die Polizei in Manchester sucht nach dem Anschlag vom Dienstag mit mindestens 22 Toten nach einem möglichen Netzwerk. Es kam zu weiteren drei Festnahmen im Süden Manchesters.

Bereits am Vortag hatte sie einen 23-Jährigen gefasst und mehrere Häuser durchsucht. Einer der Festgenommenen soll der Bruder des Selbstmordattentäters Salman Abedi sein. Das meldete der Fernsehsender BBC am Mittwoch ohne Angabe von Quellen. Die Polizei in Manchester bestätigte die Meldung nicht.

Die britischen Behörden vermuten eine gemeinschaftlich geplante Tat mit Hintermännern. Die Ausführung des Anschlags sei «anspruchsvoller gewesen als einige der Anschläge, die wir davor erlebt haben», sagte Innenministerin Rudd.

Dies deute darauf hin, dass der Selbstmordattentäter «wahrscheinlich nicht alleine gehandelt» habe. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte die Gewalttat für sich reklamiert. Ihre genaue Rolle blieb unklar.

Der Attentäter von Manchester ist vor dem Anschlag wahrscheinlich nach Syrien gereist und soll Verbindungen zur Terrormiliz IS gehabt haben. Das sagte Frankreichs Innenminister Gérard Collomb am Mittwoch unter Berufung auf britische Ermittler.

Der Brite libyscher Herkunft habe sich «nach einer Reise nach Libyen und dann wahrscheinlich nach Syrien radikalisiert», sagte Innenminister Collomb dem Sender BFMTV. Verbindungen zum IS seien «erwiesen».

Geheimdienstlich bekannt

Die britische Innenministerin Rudd betonte dagegen, eine Verbindung zum Islamischen Staat sei nicht bewiesen. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf die Frage, ob Salman Abedi Teil eines Terrornetzwerkes war.

Der 22-Jährige war dem britischen Geheimdienst bekannt, wie Rudd sagte. Sie zeigte sich gegenüber dem Sender Radio 4 verärgert darüber, dass in den USA Details über den Anschlag auf Besucher eines Popkonzerts an Medien weitergegeben worden waren. «Ich habe unseren Freunden ganz klar gesagt, dass das nicht nochmal passieren sollte», sagte Rudd.

Abedi hatte am Montagabend mit einem selbstgebauten Sprengsatz sich selbst und 22 weitere Menschen getötet, darunter ein achtjähriges Mädchen. Dutzende wurden verletzt, unter den Opfern waren viele Kinder und Jugendliche. Am zweiten Tag nach dem Anschlag waren nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden noch 20 Menschen in kritischem Zustand.

Einem deutschen Arzt zufolge, der in Manchester arbeitet, enthielt die Bombe Nägel. Etliche Opfer hätten auch Schädel-Hirn-Verletzungen, sagte der Neurologe Stefan Schumacher dem Südwestrundfunk (SWR).

Kein Wachwechsel

Das britische Sicherheitskabinett wollte sich an diesem Mittwoch erneut zu einer Krisensitzung treffen. Grossbritannien rief nach dem Angriff auf ein Konzert der US-Sängerin Ariana Grande erstmals seit 2007 die höchste Terrorwarnstufe aus. Die Polizei erhält daher Hilfe vom Militär.

Der Wachwechsel vor dem Buckingham-Palast, eine grosse Touristenattraktion, wurde für Mittwoch abgesagt, um Personal für anderen Aufgaben freizustellen. Der Anschlag vom Montag war der folgenschwerste in Grossbritannien seit 2005, als Attentäter in der Londoner U-Bahn und in einem Bus insgesamt 56 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt hatten.